
Regulierung · 4 Min.
Brasilien schaltet Wettseiten ab: So kommen Guthaben zurück
6. Okt. 2026 · Veröffentlicht: 6. Oktober 2026 · In Kraft: 6. Oktober 2026, 0:01 Uhr Brasília-Zeit
Ministeriumsgebäude an der Esplanada dos Ministérios in Brasília im Morgengrauen. · Mercado Viagens, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
Seit Dienstag, 6. Oktober 2026, sind die Websites und Apps der bisher in Brasilien lizenzierten Anbieter von Sportwetten und Online-Casino auf Grundlage der MP 1.394/2026 vom Netz. Mehrere leiten Besucher auf die Regierungsseite brasilsembets.gov.br weiter. Geld, das noch auf Konten liegt, fließt zwischen 9. und 14. Oktober über die Banken zurück; was übrig bleibt, übernimmt ab 14. Oktober die Caixa.
Brasiliens lizenzierter Markt für Online-Wetten ist abgeschaltet. Seit 0:01 Uhr am Dienstag, 6. Oktober 2026, sind die Websites und Apps jener Anbieter außer Betrieb, denen Brasilien bisher Sportwetten mit festen Quoten und Online-Casino erlaubt hatte. Grundlage ist die vorläufige Maßnahme Medida Provisória (MP) 1.394/2026, die beide Angebote seit 25. September verbietet. Statt der Spielübersicht zeigen mehrere Marken jetzt eine Seite der Bundesregierung.
Am Dienstagmorgen leiteten die brasilianischen Domains von Betano, Superbet und EstrelaBet bei einer Prüfung durch Bonusjungle alle auf brasilsembets.gov.br weiter. Die Seite teilt Besuchern auf Portugiesisch mit, dass die aufgerufene Plattform auf Anordnung der MP 1.394 abgeschaltet ist. Danach erklärt sie, was mit Geld geschieht, das noch auf Konten liegt.
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Der Rückzahlungskalender
Die Frist für Auszahlungen ist vorbei: Die Anbieter mussten ihre Seiten bis 5. Oktober, 23:59 Uhr, für Auszahlungen offen halten. Wer sein Geld nicht rechtzeitig abgehoben hat, für den gilt der offizielle Zeitplan des Justizministeriums (Ministério da Justiça e Segurança Pública, MJSP) und des Finanzministeriums (Fazenda):
- 7.–8. Oktober: Die Anbieter melden jedes nicht ausgezahlte Guthaben, aufgeschlüsselt nach CPF (der brasilianischen Steuernummer), an die Finanzinstitute, mit denen sie arbeiten.
- 9.–14. Oktober: Diese Banken zahlen die Guthaben automatisch an die Spieler zurück.
- Ab 14. Oktober: Geld, das aus welchem Grund auch immer nicht zurückgezahlt werden kann, geht an die staatliche Bank Caixa Econômica Federal, die dann die Rückzahlung übernimmt. Die Regierungsseite rät allen, die bis dahin nichts erhalten haben, sich ab diesem Datum an die Caixa zu wenden.
Einige brasilianische Medien, darunter R7, nennen für die Meldung den 6.–7. Oktober. Die Daten oben stammen aus der Mitteilung der Ministerien vom 2. Oktober. So oder so läuft die Meldung zwischen Anbietern und Banken. Spieler müssen in dieser Phase nichts einreichen.
„O recurso é sempre do apostador“ („Das Geld gehört immer dem Wettenden“), sagte Finanzminister Dario Durigan bei der Vorstellung des Zeitplans.
Wie viel Geld noch wartet
Laut Zahlen des Finanzministeriums mit Stand 5. Oktober, über die R7 berichtet, lagen bei Fristende noch 1,33 Mrd. R$ auf Spielerkonten. Das sind 775,6 Mio. R$ weniger als am 26. September. Ein großer Teil der Spieler hat also abgehoben. Die Zahl der CPF mit positivem Guthaben sank im selben Zeitraum von 28,9 Mio. auf 26,54 Mio.
Die meisten Guthaben sind winzig. Rund 92 % der Konten mit Geld halten weniger als 10 R$, mehr als 96 % weniger als 25 R$. Das Geld selbst ist ungleich verteilt: Etwa 1 % der Konten hält 80 % der Summe. Am 2. Oktober sagte Durigan außerdem, dass 48 Konten jeweils mehr als 500.000 R$ hielten und genau geprüft würden.
In der Praxis geht es bei der Rückzahlung also vor allem um Millionen sehr kleiner Beträge, die auf Bankkonten zurückfließen. Dazu kommt eine kleine Zahl großer Guthaben, bei denen es länger dauern kann.
Die Weiterleitung wird angefochten
Die Umleitung auf eine Regierungsseite war nicht Teil der ursprünglichen Ankündigung zur Abschaltung. Laut O Globo schickte das Nationale Sekretariat für digitale Rechte des Justizministeriums den Anbietern am Freitag, 2. Oktober, eine amtliche Mitteilung. Darin wurden sie angewiesen, ab 6. Oktober, 0:01 Uhr, den gesamten Verkehr ihrer Domains auf brasilsembets.gov.br zu leiten. Außerdem sollten sie die Subdomains, IP-Adressen und Schnittstellen (APIs) hinter ihren Apps abschalten. Die Ministerien teilten zudem mit, dass 186 Wett-Apps in den Stores von Apple und Google bis 6. Oktober zur Entfernung gemeldet worden seien. Acht Plattformen, darunter Google, Meta, TikTok und Telegram, seien aufgefordert worden, Wettwerbung zu entfernen.
Der Branchenverband ANJL nannte die Anordnung rechtswidrig und riet seinen Mitgliedern laut Valor, ihr nicht zu folgen. ANJL und das Brasilianische Institut für verantwortungsvolles Spielen (IBJR) beantragten daraufhin bei Richter Luiz Fux am Obersten Bundesgericht (STF) dringenden vorläufigen Rechtsschutz. Das geschah in den Verfassungsverfahren, die sie bereits gegen die MP 1.394 führen. Ihr Argument laut Zona de Azar: Artikel 23 der Maßnahme erlaubt, Seiten zu sperren oder umzuleiten, um den Zugang zu beenden. Er schreibt aber nicht vor, dass der Verkehr auf eine Seite der Bundesregierung gehen muss. Die Verbände beziffern den Verkehr der betroffenen Plattformen auf rund 100 Millionen Besuche am Tag. Sie äußerten auch Datenschutzbedenken, weil diese Besucher auf eine Regierungsdomain geschickt werden.
Bis Dienstagmorgen war keine Entscheidung über diesen Antrag gemeldet. Die Prüfungen vom Dienstag zeigen, dass mindestens drei große Marken bereits weiterleiten. Solange kein Gericht anders entscheidet, gilt der Zeitplan der Regierung.
Was tun, wenn Sie ein Konto hatten
Wenn Sie Geld bei einem früher lizenzierten brasilianischen Anbieter hatten, ist der offizielle Weg die automatische Rückzahlung über die Bank zwischen 9. und 14. Oktober. Ist bis dahin nichts angekommen, ist ab 14. Oktober die Caixa zuständig. Vorsicht bei Nachrichten oder Seiten, die gegen Gebühr anbieten, Wettguthaben „zurückzuholen“: Das offizielle Verfahren läuft über die Banken und die Caixa.
Hintergrund zum Verbot finden Sie in unseren früheren Beiträgen zur vorläufigen Maßnahme selbst, zur Klage von ANJL und IBJR vor dem STF, zum Antrag der Generalanwaltschaft (AGU) gegen die Wettgesetze und zur SPA-Verordnung über Kontosperren bei Banken.
18+. Wenn sich Glücksspiel nicht mehr wie Zeitvertreib anfühlt, lesen Sie unter verantwortungsvolles Spielen weiter. In Brasilien verweist die Regierungsseite unter gov.br/bets auf Hilfe über das öffentliche Gesundheitssystem (SUS).
Weiter auf diesem Weg
Quellen
- Brasil sem Bets (Governo Federal): Seite „Acesso bloqueado“ mit Verweis auf die Medida Provisória nº 1.394/26 (Primärquelle; Auszahlungsfrist, Rückzahlung über Banken 9.–14. Oktober, Caixa ab 14. Oktober)
- Ministério da Justiça e Segurança Pública: Governo Federal amplia fiscalização contra bets ilegais, 2. Oktober 2026 (Primärquelle; Medida Provisória nº 1.394/2026, Rückzahlungsplan, Mitteilungen zu Apps und Werbung, Zitate von Durigan)
- R7: Bets deixam de operar no Brasil a partir desta terça, 6. Oktober 2026 (Guthabenzahlen des Finanzministeriums, Stand 5. Oktober)
- O Globo: Governo determina que tráfego de casas de aposta seja redirecionado para site Brasil sem Bets, 3. Oktober 2026 (die amtliche Mitteilung)
- Valor: Ministério da Justiça manda bets desativarem portais na terça, 3. Oktober 2026 (Reaktion der ANJL)
- Zona de Azar: ANJL and IBJR take betting-site redirect order to Brazil Supreme Court, 6. Oktober 2026
- Globe Casino News: Brazil orders bets to redirect traffic to Brasil sem Bets, 4. Oktober 2026 (Hintergrund)
- Prüfung von betano.bet.br, superbet.bet.br und estrelabet.bet.br durch Bonusjungle, 6. Oktober 2026, 08:37 Uhr CEST (alle auf brasilsembets.gov.br weitergeleitet).
