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Betsson Q3 2026: Rekordumsatz, operatives Ergebnis −31 %
Ein gedruckter Quartalsbericht mit Balkendiagramm auf einem Büroschreibtisch neben einer Tasse Kaffee. · Bonusjungle illustration
Betssons Umsatz erreichte im Zeitraum Juli bis September 2026 mit 326,5 Mio. Euro einen Quartalsrekord, getragen vom Casino und von Lateinamerika. Das operative Ergebnis fiel trotzdem um 31 %, weil immer mehr Umsatz aus lokal regulierten Märkten mit Glücksspielsteuern stammt.
Betsson, der in Stockholm börsennotierte Konzern für Online-Casino und Sportwetten, hat von Juli bis September 2026 den höchsten Quartalsumsatz seiner Geschichte erzielt, daran aber spürbar weniger verdient. Der Konzernumsatz stieg laut dem am 22. Oktober 2026 veröffentlichten Zwischenbericht um 10 % auf 326,5 Mio. Euro (Vorjahreswert: 295,8 Mio. Euro), organisch um 8 %. Das operative Ergebnis (EBIT) fiel um 31 % auf 46,1 Mio. Euro (66,9 Mio. Euro), der Nettogewinn sank auf 28,2 Mio. Euro (50,1 Mio. Euro).
Alle Zahlen in Klammern beziehen sich im Folgenden auf den Vorjahreszeitraum.
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Das Casino trug das Quartal
Das Wachstum kam aus dem Casino, nicht aus dem Sport. Der Casino-Umsatz stieg um 14 %, der Sportwetten-Umsatz nur um 1 %, und die Sportwetten-Marge, also der Anteil der Einsätze, den Betsson nach Auszahlung der Gewinne behält, sank auf 8,1 % (8,8 %). CEO Pontus Lindwall merkte im Bericht an, dass der Umsatz einen Rekord erreichte, obwohl die Sportwetten-Marge deutlich niedriger war als im zweiten Quartal.
Die Zahl der aktiven B2C-Kunden, also der Spieler auf Betssons eigenen Marken, erreichte 1,9 Millionen (1,3 Millionen). Lindwall bezifferte den Anstieg auf 40 % und führte die hohe Aktivität auf die FIFA-Weltmeisterschaft und den Start der europäischen Fußballligen zurück; sowohl die Kundeneinzahlungen als auch der gesamte Spielumsatz legten zu.
Wichtigster Treiber war Lateinamerika. Der Umsatz stieg dort um mehr als 50 %, im CEO-Kommentar wurden Peru und Argentinien hervorgehoben. Betsson schloss Anfang August zudem die Übernahme der Rhino Entertainment Group ab, konsolidierte sie und meldete einen positiven Beitrag zu Umsatz und Ergebnis. Zum Quartalsende startete das belgische Geschäft unter dem Namen Betsson statt betFIRST; über die Umbenennung von betFIRST haben wir bei der Ankündigung berichtet.
Warum Rekordumsatz und weniger Gewinn zusammenpassen
Die kurze Antwort: Steuern und Geschäftsmix. Wie Casino.org berichtet, sagte Finanzchef Martin Öhman in der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen, Betsson wachse seit einiger Zeit „bei lokal regulierten Umsätzen, die mit höheren Glücksspielsteuern einhergehen“, und das Geschäft verschiebe sich hin zu B2C und weg von B2B, wo Betsson Technik und Dienstleistungen an andere Anbieter liefert. „Da steckt also ein Mix-Effekt drin“, sagte er (unsere Übersetzung).
Beides zeigte sich in den Zahlen, die er in der Konferenz nannte. Die direkten Glücksspielsteuern stiegen im Jahresvergleich um rund 28 Mio. Euro, die Bruttomarge fiel von 64 % auf 56 %. Der B2B-Umsatz sank um 39 %, rund 30 Mio. Euro, vor allem weil ein großer B2B-Kunde, den Betsson nicht nannte, weniger aktiv war. Der B2C-Umsatz wuchs um 28 %.
Unsere Erklärung: In vielen regulierten Märkten wird die Glücksspielsteuer auf die Spielerträge des Anbieters erhoben, die Steuer steigt also mit dem Umsatz, bevor andere Kosten bezahlt sind. Ein Konzern, der mehr Geschäft in regulierte, besteuerte Märkte verlagert, kann deshalb den Umsatz steigern und trotzdem von jedem Euro weniger behalten. „Wir zahlen viele Steuern. Wir haben in diesem Quartal ein Allzeithoch bei den Glücksspielsteuern“, sagte Lindwall in der Konferenz (unsere Übersetzung). Er fügte hinzu, Betsson rechne damit, das B2B-Geschäft wieder auszubauen, was sich „positiv auf die Bruttomarge auswirken dürfte“ (unsere Übersetzung).
Der Gewinndruck ist nicht neu. Für Januar bis September stieg der Umsatz um 3 % auf 922,1 Mio. Euro (893,1 Mio. Euro), während das EBIT um 39 % auf 122,3 Mio. Euro (199,9 Mio. Euro) fiel. Lindwall wies aber darauf hin, dass das EBIT im dritten Quartal über dem des zweiten lag und sich die Marge leicht verbesserte.
Brasilien und ein Spiel mit Inter-Mailand-Grafik
Lindwall nutzte die Konferenz auch für die Aussage, Betsson sei vom jüngsten Glücksspielverbot in Brasilien weniger betroffen als die Konkurrenz, weil das Unternehmen seine Marketingausgaben im Land gering gehalten habe. „Im Rückspiegel betrachtet ist das nichts, was wir bereuen“, sagte er und fügte hinzu, er rechne damit, dass sich der Markt „auf die eine oder andere Weise öffnet“ (unsere Übersetzung). Zum Hintergrund siehe unsere Berichte über Brasiliens Wettverbot MP 1.394 im Kongress und über die Sperre von 50 nicht zugelassenen Anbietern in Peru.
Auf der Produktseite erwähnt der Bericht Gates of Inter, ein Casinospiel, das exklusiv für Betsson entwickelt wurde und Grafiken aus dem Sponsoring von Inter Mailand nutzt. Es ist das dritte Spiel dieser Art, nach Versionen rund um Boca Juniors und Atletico Nacional.
Wie es weitergeht
Betsson zufolge ist der Oktober positiv angelaufen; in der Konferenz sagte Lindwall, der durchschnittliche Tagesumsatz habe in den ersten Wochen des Monats 11 % über dem Vorjahr gelegen. Das Unternehmen sieht sich „gut aufgestellt, um zum Ergebniswachstum zurückzukehren“ (unsere Übersetzung). Ob das gelingt, hängt aus unserer Sicht vor allem davon ab, wie schnell der besteuerte Umsatz im Verhältnis zur Steuerlast wächst, und davon, ob sich das B2B-Geschäft erholt.
Zum Vergleich mit anderen Anbietern und Zulieferern in dieser Berichtssaison siehe Entains Update zum dritten Quartal 2026 und die Ergebnisse von Hacksaw Gaming für das dritte Quartal 2026.
Quellen

