Zum Inhalt springen
Das Parlamentsgebäude an der Wiener Ringstraße bei Tageslicht.

Regulierung · 4 Min.

Glücksspielnovelle: EU-Stillhaltefrist endet am 5. November

Das Parlamentsgebäude an der Wiener Ringstraße bei Tageslicht. · Bonusjungle illustration

Österreich will die bisher einzige Online-Konzession durch ein offenes Konzessionsverfahren ersetzen. Die EU-Stillhaltefrist für den Gesetzesentwurf endet am 5. November. Wer eine Konzession will, müsste sein Angebot ohne Konzession ab 1. Jänner 2027 einstellen, und Einzahlungen wären für Spieler unter 26 mit 250 Euro pro Woche begrenzt. Der Nationalrat hat noch nicht abgestimmt.

Österreich bereitet das Ende des Ein-Konzessions-Modells im Online-Glücksspiel vor, und der nächste fixe Termin ist der 5. November 2026. An diesem Tag läuft die dreimonatige EU-Stillhaltefrist für die Regierungsvorlage ab. Bis dahin kann der Nationalrat das Gesetz nicht beschließen. Danach muss der Entwurf noch durch das Parlament, und der zuständige Ausschuss hat mit den Beratungen noch nicht begonnen.

Neueste Casinos

18+ · Affiliate-Links. Wir erhalten möglicherweise eine Provision.

Was es mit der Frist auf sich hat

Österreich hat das Bundesgesetz, mit dem das Glücksspielgesetz (GSpG) und das Telekommunikationsgesetz 2021 geändert werden, am 4. August 2026 bei der Europäischen Kommission notifiziert. Das ist das EU-Verfahren für Entwürfe technischer Vorschriften (Notifikation 2026/0415/AT). Laut Eintrag der Kommission endet die Stillhaltefrist am 5. November 2026. In dieser Zeit können die Kommission und die anderen Mitgliedstaaten zum Entwurf Stellung nehmen.

Das Finanzministerium (BMF) hält fest, dass der Beschluss erst nach Ablauf der Stillhaltefrist möglich ist, das Parlament aber schon vorher daran arbeiten kann. Die Regierungsvorlage (594 d.B.) ist am 5. August im Nationalrat eingelangt und wurde am 14. September dem Finanzausschuss zugewiesen. Laut Parlamentsseite hat der Ausschuss die Beratungen noch nicht aufgenommen.

Was der Entwurf ändern würde

Derzeit werden Online-Casinospiele in Österreich legal nur unter einer einzigen Konzession angeboten. Inhaberin sind die Österreichischen Lotterien, die dafür ihre Marke win2day nutzen. Der Entwurf ersetzt das durch ein offenes Verfahren, in dem beliebig viele Online-Konzessionen erteilt werden können.

Der Zeitplan laut Regierungsvorlage:

  • 1. Jänner 2027: Ab diesem Tag können neue Online-Konzessionen erteilt werden.
  • 1. Oktober 2027: Die neuen Konzessionen werden wirksam.
  • 31. Dezember 2028: Bis spätestens zu diesem Tag wird die bestehende Konzession verlängert. Der Online-Teil endet früher, wenn die Inhaberin eine der neuen Online-Konzessionen erhält.

Diese Termine stehen im Text der Regierung. Das Parlament kann sie noch ändern.

Eine Bedingung für Anbieter, die Österreich schon jetzt bedienen

Der Entwurf stellt eine Bedingung für Anbieter auf, die Glücksspiel in Österreich ohne österreichische Konzession angeboten haben. Um sich bewerben zu können, müssen sie dieses Angebot ab 1. Jänner 2027 eingestellt haben, bis sie eine Konzession erhalten. Wer erst nach dem 31. Dezember 2026 aufhört, ist ab dem Tag der Einstellung 18 Monate lang von einer Online-Konzession ausgeschlossen (Sperrfrist), bei einer Einstellung erst nach dem 31. Dezember 2029 sind es 24 Monate.

Konzessionswerber müssen außerdem offene Glücksspielabgaben bezahlt und rechtskräftige österreichische Urteile erfüllt haben, die Spieler gegen sie erstritten haben. Das Finanzministerium spricht von Gerechtigkeit für rund 20.000 betroffene Spielerinnen und Spieler in Österreich. Die Bedingungen gelten laut Entwurf auch für Unternehmen derselben Gruppe und für den Inhaber der verwendeten Marke.

Im Klartext: Kommt die Novelle in dieser Form, hat ein Offshore-Anbieter, der eine österreichische Konzession will, einen Grund, Österreich bis 31. Dezember 2026 nicht mehr zu bedienen. Wer später aufhört, ist ab dem Tag der Einstellung mindestens 18 Monate von einer Online-Konzession ausgeschlossen, während neue Konzessionen ab 1. Jänner 2027 erteilt werden können.

Spielerschutz: Einzahlungslimits und ein zentrales Sperrregister

Für Spieler sind die Schutzregeln die konkreteren Änderungen. Laut Regierungsvorlage:

  • Einzahlungslimits online: höchstens 250 Euro pro Woche für Spieler unter 26 und höchstens 1.680 Euro pro Monat ab 26. Für Spieler ab 23 kann ein anderer Betrag gelten, wenn zusätzliche Schutzmaßnahmen greifen, etwa eine Beobachtung des Spielverhaltens und Feedback-Tools.
  • Ein Limit über alle Anbieter: Ein digitales Aufsichtssystem soll ein zentrales Einzahlungslimit über alle konzessionierten Online-Anbieter hinweg anwenden, statt eines eigenen Limits auf jeder Seite.
  • Eigene Limits: Spieler legen Tages-, Wochen- und Monatslimits für Geld und Spielzeit fest. Eine Senkung gilt sofort, eine Erhöhung erst nach 72 Stunden.
  • Ein zentrales Sperrregister: Selbstsperren und vom Betreiber verhängte Sperren werden in einem Register erfasst, das Spielbanken, Glücksspielautomaten und Online-Glücksspiel abdeckt.
  • Glücksspielautomaten: niedrigere Einsätze, langsameres Spieltempo und eine verpflichtende Pause von mindestens 15 Minuten nach 90 Minuten ununterbrochenem Spiel, in der sich der Automat abschaltet.
  • Spielbanken: Die Zahl der Spielbankkonzessionen wird mit 13 festgelegt.

Um den legalen Markt zu schützen, sieht der Entwurf Zahlungssperren (Payment-Blocking), eine Blacklist nicht konzessionierter Anbieter und Netzsperren vor: Sperrverfügungen an Internetanbieter, die die Telekom-Control-Kommission erlässt. Den Antrag dazu stellt das Amt für Betrugsbekämpfung.

Was das jetzt für Spieler in Österreich heißt

Vorerst ändert sich nichts. Der Entwurf liegt noch im Parlament, und keiner der genannten Termine gilt, solange das Gesetz nicht zustande gekommen ist. Kommt die Novelle wie geplant, kannst du ab Ende 2027 mit mehr konzessionierten Anbietern rechnen, mit fixen Einzahlungslimits bei diesen Anbietern und mit mehr Sperren gegen Seiten ohne Konzession. Für Spieler unter 26 würden die strengsten Limits gelten.

Wie andere Märkte mit Sperren arbeiten, zeigen unsere Berichte über Norwegens DNS-Sperrwarnungen und den EU-Vorstoß, dass Plattformen die Zulassung von Glücksspielanbietern prüfen. Einen anderen Ansatz bei Einzahlungslimits zeigen die britischen Regeln für Einzahlungslimits.

18+. Glücksspiel kann süchtig machen. Wenn es keinen Spaß mehr macht, schau auf unsere [Seite zu verantwortungsvollem Spielen](/responsible).